• 1998 : Oktober - Volksblatt "Coming-Out Tag"

Datum=07.10.1998; Quelle=Liechtensteiner_Volksblatt

NACHRICHTEN

TRIESEN: 
Seit einigen Jahren organisieren die Homosexuellen-Organisationen der westlichen Welt den «Coming Out Tag».

Die FLay begeht, wie auch schon letztes Jahr, den Coming Out Tag mit einem Infostand und am Abend mit einem Fest. Jung und alt - ob schwul, lesbisch, bi oder hetero sind dazu recht herzlich eingeladen. Wieso dieser Coming Out Tag, werden sich sicherlich einige fragen? Der Coming Out Tag soll jungen Menschen helfen, sich ihrer Sexualität bewusst zu werden und lernen damit umzugehen. Leider ist es immer noch so, dass viele Menschen ihr Leben lang ihr wahres Ich verstecken müssen und dabei in einer unnötigen lebenslangen Lüge gefangen bleiben. Durch den «moralischen» Druck der Gesellschaft ist eine Flucht in die Wahrheit selten und nur mit viel Selbstvertrauen möglich. Bei der sexuellen Selbstfindung ist der/die Homosexuelle auf die Unterstützung der Familie und von Freunden angewiesen. Mehr Infos erhalten Interessierte an unserem Infostand am Eschner Jahrmarkt oder bei FLay, Kultur- und Freizeitverein für Homosexuelle, Postfach 207, 9494 Schaan. Natürlich darf jeder und jede an unserem Festchen vorbeischauen. Kommen Sie einfach am 10. Oktober ab 21.00 Uhr in die Alte Sennerei in Triesen.

  • 1998 : Mai - Volksblatt "FLay feiert Geburtstag"

Datum=13.05.1998; Quelle=Liechtensteiner_Volksblatt; Ausgabe=106; Ressort=Inland; Seite=4; Sektion=A;


VERANSTALTUNGEN

«Principle Gay»

Mitte Februar 1998 wurde der Verein «FLay Kultur- und Freizeitverein für Homosexuelle» gegründet. Um diesen Anlass zu feiern, hat die FLay verschiedene Anlässe organisiert und lädt jeden/jede recht herzlich dazu dein.

Einige werden sich jedoch fragen, wieso braucht es überhaupt einen Verein für Homosexuelle in Liechtenstein? Als Homosexueller ist das Leben oft nicht so einfach, besonders nicht in einer ländlichen Umgebung wie Liechtenstein. Was auch als ein Grund angesehen werden kann, warum viele Schwule und Lesben nach Zürich oder in eine andere Stadt flüchten. Die Mitglieder der FLay möchten, hier in der Region, eine Anlaufstelle für Homosexuelle sein und ihnen helfen bei ihrem Coming-out.

Doch die FLay soll nicht nur eine Selbsthilfegruppe sein, in der Probleme gelöst werden. Sie soll vielmehr den Betroffenen das Gefühl vermitteln, dass man nicht die einzige Frau im Land ist, welche Frauen liebt, oder dass es auch andere Schwule in der Region gibt. Auf dem Programm stehen ausser Kinobesuchen und Theaterbesuche, geselliges Beisammensein, sportliche Aktivitäten, auch der gemeinsame Besuch von homosexuellen Veranstaltungen im nahen Ausland.

Heute Mittwoch, den 13. Mai 1998 wird die FLay einen Infostand an der Bahnhofstrasse in Buchs organisieren, an welchem zentrale Broschüren für Eltern und Freunde von Homosexuellen, und natürlich für Schwule und Lesben, aufliegen werden. Der Infostand ist von 17 bis 21 Uhr an der Bahnhofstrasse zu finden. Die eigentliche Veranstaltung wird am Freitag, den 15. Mai 1998 im TaK stattfinden, welche sicherlich für jeden Geschmack etwas zu bieten hat. Auftakt des Abends machen zwei Referenten der Aids-Hilfe und der Freien Liste, danach folgt ein gemischtes Programm von Show, Gesang und Disco. Vortrag von Beat Greber «Homosexuell - Von Stonewall bis heute: 25 Jahre Schwulenbewegung». In den letzten Jahren traten die Organisationen von Lesben und Schwulen in der Schweiz mit konkreten Vorschlägen zu Gesetzesrevisionen hervor und nahmen aktiv am politischen Prozess teil. Dabei geht oft vergessen, dass die neuere Homosexuellen-Bewegung noch keine 30 Jahre alt ist und an einem ganz anderen Ort gestartet ist, als sie sich heute befindet. Vortrag von Jürgen Schremser (Freie Liste) «Die rechtliche Situation». Das zweite Referat des Abends beleuchtet kurz die rechtliche Lage von Schwulen und Lesben in Liechtenstein: bis 1989 wurden gleichgeschlechtliche Beziehungen im Fürstentum mit Kerkerstrafe bedroht. Der Referent beschriebt in einer knappen Chronik, wie auf diesen Umstand politisch und gesetzgeberisch reagiert wurde und welche Position hierbei die Freie Liste einnimmt.

Den ersten Block des Hauptabendprogramms wird das Frauentrio «Trotz-dem Das Frauen-Trio» bilden. Nicht etwa aus Trotz und schon gar nicht trotzig - aber trotz dem! Dies könnte der Wahlspruch der drei Frauen sein, welche sich freuen, im Rahmen von Principle Gay ihr Bühnendebüt in dieser Formation als Trotz dem - das Frauen-Trio zu geben. Für die Veranstaltung der FLay haben sie ein kleines Repertoire ihres Können einstudiert. Rosmarie und Ruth singen für Euch - begleitet von Joëlle am Akkordeon - Songs, Lieder, Chansons.

Mit den Les Fruits Fatales - oder gesalzenen Früchtchen wird dann der zweite Teil des Abends begangen. Mit dieser Darbietung tauchen Sie in die Welt der Travestie-Unterhaltung ein. Das wir das Ganze nicht so ernst nehmen und einige Klischees auf die Schippe nehmen, werden Sie sofort feststellen können. Wir sind eine Gruppe von 2 Frauen und 3 Männern, die sich ganz spontan für einen Geburtstag formiert haben und aus Spass und sicher auch ein bisschen Selbstironie diese Show ins Leben gerufen haben. Unsere Motivation liegt nicht darin, eine perfekte Show von der Rolle abzuspulen, sondern der Spass an der Sache, die Freude an der Verkleidung und auch vor allem unser Publikum mit einer witzigen Show zu begeistern. Die Kombination von Frauen und Männern ist für ein Travestie-Ensemble sicherlich ungewöhnlich, aber genau darin liegt für uns der Reiz: Das Zusammenspiel von Mann als Frau oder Frau als Mann. Was wir damit genau bezwecken wollen, soll an dieser Stelle nicht verraten werden, lassen Sie sich doch einfach überraschen und sich von der Illusion verzaubern, wenn es heisst: Bühne frei für Les Fruits Fatales.

  • Gründungsfest der FLay im Foyer des TaK

Party im TaK anlässslich der Vereinsgründung der FLay

Endlich war es soweit, wir konnten die Gründung des Vereines feiern. Es war ein schöner Abend, umrahmt mit zwei Kurzreferaten von Jürgen Schremser und eines zur Geschichte der Homosexualität. Ausserdem haben ein paar FLay Mitglieder und Freunde noch für Unterhaltung gesorgt. 

Das zahlreiche Publikum dankte es. 

 

Jürgen Schremser hält ein Referat über die Geschichte der Homosexualität in Liechtenstein und der gesetzlichen Lage.

 

Die geheimnissvolle Schöne verzückt das Publikum mit ihrer Stimme.

 

Madam Stracci und ihre Freundinnen und Freunde bezaubern das Publikum auf ihre Weise.

"Les fruits fatales" werden sie genannt.

 

Das lesbische Frauentrio aus St. Gallen begeistern durch ihre kräftigen Stimmen. Die stimmungsvollen Chancons tun das übrige.

 

Wir konnten fast 80 Personen zu unserer Veranstaltung begrüssen.

  • 1998 : Februar - Volksblatt "FLay"
Datum=26.02.1998; Quelle=Liechtensteiner_Volksblatt; Ausgabe=45; Ressort=Inland; Seite=4; Sektion=A;
Warum muss ich mich verstecken?
 
«FLay»: Selbsthilfegruppe für Schwule und Lesben
 
«Eigentlich sollte man sagen: Schaut her, ich habe zwei Hände, zwei Füsse, ich bin nicht krank, ich bin wie ihr - aber ich bin schwul. Aber leider reagiert unsere Gesellschaft immer noch anders: Du schwule Sau, du verdirbst meine Kinder, machst uns krank. Ausserdem gibt es immer noch total veraltete Gesetze, die diskriminierende Auswirkungen haben.»
 
Für viele Schwule und Lesben ist es auch heute nicht einfach, zu ihren Neigungen zu stehen und ganz normal, ohne Versteckspiele, leben zu können. Aus diesem Grund wurde anfangs 1996 eine Selbsthilfegruppe gegründet. Der Name «FLay» ist eine spielerische Wortkombination zwischen Fürstentum Liechtenstein und gay, was im Englischen homosexuell bedeutet.
 
Der Arbeitskreis
Seit zehn Jahren nehmen Hunderte Menschen in Gesprächsrunden der Selbsthilfegruppen teil, «Menschen, die leiden, an sich, der Gesellschaft, durch den anderen, die hoffnungslos geworden sind, sensibel Widersprüche spüren und daran zu zerbrechen drohen». Annie Spalt, die zusammen mit Marcus Büchel seit zehn Jahren in und für die SHG arbeitet, sagt dazu: «Selbsthilfegruppen (SHG) sind keine Therapiegruppen, aber auch keine Kaffeekränzchen. Bei den regelmässigen Treffen sprechen gleichermassen Betroffene miteinander. So kann selbst Durchlittenes vermittelt werden. Zu spüren, dass man mit seinem Problem nicht allein dasteht, dass man in sich mehr Kraft findet als vermutet, dass anderen geholfen werden kann, bringt einen weiter».
 
Lesben und Schwule
In einem Gespräch mit zwei, die in der SHG «Flay» aktiv sind, erfuhren wir mehr. Sie: «Mit etwa 11 Jahren spürte ich eine starke Zuneigung zu meiner damaligen Freundin. Zuerst verdrängte ich das. Es tauchte aber immer stärker auf, liess sich nicht weglügen. Jetzt stehe ich zu meinen Neigungen und bin glücklich damit. Durch ein Inserat erfuhr ich von der SHG «FLay». Die Gruppe unternimmt eine Reihe von gemeinsamen Aktivitäten: Wandern, Kino, Grillabende usw., oft auch gemeinsam mit den Schwulen. Die Gruppe zählt insgesamt etwa 30 Personen, davon fünf Frauen. Das ist übrigens in anderen Regionen ähnlich. Anscheinend suchen Frauen das Mitwirken in einer Gruppe weniger.» Er: «Im Moment habe ich keine feste Beziehung, habe aber Sehnsucht danach. Schon früh habe ich meine Neigung gespürt und hatte deshalb nie eine Freundin. An meinem Arbeitsplatz weiss niemand davon. So kann ich unerkannt immer wieder Gespräche über Homosexualität anzetteln, um zu sehen, ob sich in unserer Gesellschaft die Toleranz steigert. Das ist aber leider nicht der Fall. Warum werden Schwule und Aids immer in Zusammenhang gesehen? Ich kenne keinen HIV- oder Aids-Schwulen. Allen meinen Freunden und Bekannten habe ich gesagt, dass ich schwul bin. Bis auf eine Ausnahme haben es alle akzeptiert, tolerieren es und grenzen mich nicht aus. Das gilt übrigens auch für meine Eltern.» Sie: «Das ist bei mir ganz genau so.» Er: «Der Gruppe habe ich mich angeschlossen, weil man dort offen miteinander über alle Probleme sprechen kann, gemeinsame Unternehmungen macht, z.B. der Besuch entsprechender Lokale in Zürich. Mir dient die Gruppe auch als Hilfe, mir selbst offen einzugestehen, dass ich eben so bin. Das hilft sehr, den Schritt in die Öffentlichkeit zu erleichtern.»
 
Regelmässige Treffen dienen dem Erfahrungsaustausch
In regelmässigen Treffen werden Erfahrungen ausgetauscht, wird über verschiedene Unsicherheiten von Betroffenen selbst und von deren Angehörigen gesprochen. Nicht zu kurz kommen aber auch der gemeinsame Spass und die Freude am Leben. Deshalb werden gemeinsame Freizeitaktivitäten gestaltet. Wer in einer ungezwungenen Atmosphäre Gleichgesinnte treffen und neue, positive Erfahrungen machen will, der kann sich melden bei der Kontaktadresse: FLay, Postfach 207, 9494 Schaan, Tel. 075/ 232 05 20. Vertraulichkeit ist selbstverständliche Ehrensache.
 
Gerolf Hauser 
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FLay - Verein für Schwule und Lesben Liechtenstein und Rheintal, Postfach 207 9494 Schaan