Ehe für Alle - Warum?

Warum ist uns die Ehe für Alle eigentlich so wichtig?


Wir als Verein FLay fordern ganz klar eine Ehe für Alle in Liechtenstein. Doch warum ist uns die Ehe für Alle so wichtig? Immerhin gibt es in Liechtenstein seit 2011 das Recht für queere Menschen, in einer eingetragenen Partnerschaft zu leben. Reicht das nicht?


Tatsächlich war die eingetragene Partnerschaft ein grosser Schritt für die queere Bevölkerung Liechtensteins und etwas wofür auch FLay sehr gekämpft hat. Mit der eingetragenen Partnerschaft wurden rechtliche Angleichungen erreicht, zum Beispiel im Steuer- und Erbrecht. Die eingetragene Partnerschaft war ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Überwindung von gesellschaftlicher Diskriminirung und sogar Tabuisiering queerer Menschen hier im Land. Allerdings blieb ein ganz grosser Unterschied zwischen der Ehe und Partnerschaft bestehen. Im Gesetzt heisst es nämlich, Wort für Wort: “Personen, die in einer eingetragenen Partnerschaft leben, sind weder zur Adoption noch zu fortpflanzungs- medizinischen Verfahren zugelassen.” (PartG, Artikel 25).


Mit diesem einen Zusatz wird die Diskriminierung queerer Menschen in Liechtenstein auf einen Schlag wieder ganz deutlich. Mit dem heutigen Gesetz wird impliziert, dass queere Menschen keine gute Eltern sein können, denn wieso sonst wird ihnen die Adoption verwehrt. Die Implikation, dass queere Menschen keine guten Eltern sein können ist ein falsches Vorurteil und eine ganz klare Diskriminierung. Es gibt mittlerweile in Liechtenstein ganz konkrete Beispiele von queeren Menschen, die Kinder wollen und denen unverhältnismässig viele Hürden in den Weg gestellt werden.


Die Argumente gegen die Ehe für Alle fallen schnell unter die Gürtellinie, wie man bei der Kampagne “Nein zur Ehe für Alle” in der Schweiz sehen konnte. Zum Beispiel waren bald an vielen Orten in der Schweiz Plakate mit einem Zombie Monster zu sehen, mit der Parole “Kinder mit einem Toten - Ehe für Alle Nein”. Auf den ersten und auch den zweiten Blick war die eigentliche Botschaft der Plakate völlig unklar (glauben Ehe für alle Gegner*innen, dass queere Menschen Zombies sind?). Aber auch Plakate mit weinenden Kindern und Aufschriften wie “Ich habe keine Mama” und “Ein Leben ohne Papa?” sind respektlos. Und das nicht nur gegenüber queeren Eltern, denen somit pauschal unterstellt wird, Kinder nicht adequat erziehen zu können, sondern auch allen alleinerziehenden Eltern gegenüber, die es in der Schweiz sowieso schon gibt - immerhin ist in jeder sechsten Familie das Elternteil alleinerziehend. Laut Ehe für Alle Gegner*innen leidet in all diesen Familien das Kind schwer. Mit dem 26. September hat die Kampagne in der Schweiz für die Ehe für Alle mit 64,1% gewonnen, was uns positiv stimmt für die Situation in Liechtenstein.


Die Ehe für Alle, wie so viele gesellschaftliche Themen, ist ein natürlich emotional. Vor allem weil es um Kinder geht, denn natürlich muss das Kindeswohl immer an erster Stelle stehen. Wir als Verein FLay wünschen uns, dass die Debatte zur Ehe für Alle in Liechtenstein mit gegenseitigem Respekt geführt wird und hoffen auf eine breite Unterstützung aus der Bevölkerung.