Pride - worauf sind wir stolz?

Im Juni feiern wir den Pride Month. Aber warum eigentlich?

Jedes Jahr im Pride Monat Juni werden queere Menschen überall gefragt, was sie denn eigentlich feiern, wofür oder wogegen sie protestieren, und ob das alles denn überhaupt nötig sei. Schliesslich gibt es für heterosexuelle Menschen ja auch keinen extra Monat, in dem sie sich feiern.

Pride, aus dem englischen für Stolz, ist für viele queere Menschen ein Teil ihrer LGBTQIA+ Identität, den sie sich erst erarbeiten müssen. Denn leider war, und ist, das erste Gefühl, das queere Menschen mit ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität verbinden, oft ein Gefühl von Unsicherheit oder Scham. Das Schamgefühl wird vor allem dann verständlich, wenn man sich die rechtliche Situation in Liechtenstein ansieht. Noch bis 1989 gab es ein "Totalverbot für homosexuelle Handlungen". Das bedeutet im Klartext: alle queere Menschen in Liechtenstein, die über 40 Jahre alt sind, sind in einer Zeit aufgewachsen als ihre sexuelle Identität vom Staat rechtlich verboten war.

Und auch heute, etwa dreissig Jahre nach Aufhebung des Totalverbotes, gibt es gegenüber queeren Menschen noch immer Vorurteile. Schwul wird oft als Schimpfwort über den Schulhof geworfen und Eltern behandeln ihre Kinder anders, wenn sie nicht den gesellschaftlichen 'Normalvorstellungen' entsprechen. Genau deshalb ist Pride so wichtig. Das Dasein als LGBTQIA+ Person ist so häufig mit Unsicherheit verbunden, mit Hürden, die kein cis und heterosexueller Mensch je überwinden muss. Umso wichtiger ist es, dass queere Menschen die Zeit und Raum haben, ihre sexuelle und geschlechtliche Identität feiern zu können.

Natürlich finden im Pride Monat aber nicht nur Wohlfühl-Feste und Alles-Ist-Gut-Partys statt. Im Pride Monat wird auch demonstriert und auf die Missstände hingewiesen, die es bezüglich LGBTQIA+ Themen in unserer Gesellschaft gibt. Die Demonstrantionen folgen in die Fussstapfen der Stonewall Riots vom Juni 1969 in New York. Die Riots in Stonewall passierten spontan, als die New Yorker Polizei mit Gewalt gegen Besucher*innen einer Schwulen Bar vorgingen. Die Besucher*innen wehrten sich gegen die Gewalt und organisierten sich in den folgenden Tagen, um für mehr Rechte für sich zu kämpfen. Ihnen ging es damals vor allem um das Recht, offen schwul oder lesbisch sein zu können, ohne dafür verhaftet zu werden. Die Stonewall Riots werden heute als Wendepunkt im Kampf für LGBTQIA+ Recht gesehen.

Als queere Person treten wir also jeden Juni auch in die Fussstapfen der Schwulen und Lesben, die in der Vergangenheit für unser Rechte gekämpft haben; und oft sogar mit ihrem Leben dafür bezahlt haben - damit wir heute in der Öffentlichkeit Händchen halten dürfen, ohne deswegen im Gefängnis zu landen. Deshalb demonstrieren wir auch heute noch, trotz aller Fortschritte, die seit den Stonewall Riots erreicht wurden. Wir demonstrieren für mehr Toleranz, für mehr Sichtbarkeit und für gleiche Rechte, etwa bei der Ehe für Alle.